Archive for the ‘Elias Honert’ Category

buchtipp: Jens Johler / Kritik der mörderischen Vernunft

Freitag, Juli 31st, 2009

Es lässt sich die Frage stellen: Wie viel Fiktion enthält dieser Roman?!

Bis dato gibt es zwei Romane an denen Jens Johler federführend mitgewirkt hat. “Das falsche Rot der Rose” und “Gottes Gehirn“. Beide habe ich mit großer Begeisterung gelesen, beide sind leider nur noch gebraucht zu erstehen. Nun ist der Autor bei Ullstein gelandet und hat einen dritten Thriller veröffentlicht, der seinen Vorgängern in Nichts nachsteht.

Dr. Richard Troller, seines Zeichens Wissenschaftsjournalist und Buchautor, erhält kryptische Mails. Der Absender nennt sich “Kant” und droht damit Morde zu begehen. Seine Opfer, so stellt sich schnell heraus, sind führende Hirnforscher. Der erste Tote wird in einem Primatenstuhl fixiert aufgefunden. Am Tatort wird ein Plakat aufgefunden. “§1 – In den Tierversuchen zeigt die Hirnforschung ihr wahres Gesicht. Die Beherrschung des Affenhirns ist nur die Vorstufe zur Beherrschung des Menschengehirns. – Kant” Dies ist ein Zitat aus Trollers veröffentlichtem, jedoch gefloppten Buch “Terror der Wissenschaft”. Es scheint, dass der Mörder eine Botschaft für den Wissenschaftsjournalisten hat.

Gemeinsam mit seiner quasi-Lebensgefährtin Jane Anderson, die ebenfalls im Dienste des Magazins “Fazit” steht, macht er sich daran, auf die Spur des mysteriösen Serienmörders zu kommen, der sich scheinbar sowohl im Erbe des großen Philosophen Kants, als auch des Unabombers Ted Kaczynski sieht. Im Laufe ihrer Ermittlungen scheint den beiden Journalisten ein undurchdurchschaubares Netz aus Geheimdiensten, multinationalen Konzernen und Wissenschaftlern einen Strich durch die Rechnung machen zu wollen.

Was sich zu Beginn wie ein klassischer Thriller liest, wird im Laufe der Lektüre zu einer Geschichte die viele non-fiktionale Anleihen offenbart. Neben Verweisen auf das geheime Regierungsprogramm MK Ultra, das Projekt “Deckname Artischocke” oder die Ideen eines Cecil Rhodes, bietet Jens Johler dem Leser die Möglichkeit sich selbst zu fragen, inwieweit man auf der Seite eines Mörders stehen darf. Die spannende Jagd auf einen Mörder wird hier gepaart mit anspruchsvollen Fragen nach dem freien Willen des Menschen und der ethischen Vertretbarkeit von Tier- und Menschenversuchen.
Dieses Buch ist eine mehr als gelungene Rückkehr Johlers und lässt auf mehr hoffen.

Mehr Rezensionen unter: krisenzeit + sonnenschein

buchtipp: Boris Palmer / Eine Stadt macht blau

Freitag, Juli 17th, 2009

Ein Buch mit Vorbildcharakter, frei nach dem Motto: Global Denken, lokal Handeln.

Tübingen gilt schon seit langer Zeit als Studentenstadt, doch seit 2006 auch als Vorreiter in Sachen Klimapolitik. Als sich der 34jährige OB-Kandidat Boris Palmer im ersten Wahlgang gegen die Amtsinhaberin durchsetzte, war klar, dass Tübigen fortan nicht mehr nur eine Alibipolitik in Sachen Klimaschutz machen würde. Der Grünen-Politiker hatte sich entgegen aller Empfehlungen für den Wahlkampf mit Schwerpunkt “Öko-Themen” entschieden. Dieses Profil hat ihm überraschenderweise sogar im bürgerlichen Lager wichtige Stimmen gesichert.

Sein nun erschienenes Buch adaptiert den Namen der Klimakampagne “Eine Stadt macht blau”. Palmer nimmt den Leser bei der Hand und führt ihn durch ein wahrlich komplexes Thema, dessen Allgegenwart bisweilen für Verdruss sorgen kann. Es wäre vermessen, wenn man Boris Palmer mit Al Gore in einen Topf wirft. Persönlich war mir die Hollywood-Inszenierung des US-Amerikaners bisweilen zu viel Römpömpöm, voller Allgemeinplätze. Der Tübinger Bürgermeister schafft es dagegen auf charmante und frische Art und Weise eine Warnung für unsere Gesellschaft zu formulieren und Lösungsvorschläge für Kommunen und Städte zu machen. Besonders vorteilhaft: Er redet als Praktiker und kann Ergebnisse präsentieren, die uns Staunen lassen. Die Reduktion des CO2-Ausstoß wurde forciert, ohne bei sich selbst zu sparen. Im “Ländle” entschied sich Palmer vom Dienst-Mercedes auf den umweltschonenden Toyota Primus umzusteigen bzw. das Projekt “TeilAuto” zu nutzen – ein gewagter Ansatz.

Letztlich zieht man aus dem Tübingener Modell viele wertvolle Informationen und Anregungen, die dieses Buch zu einer wichtigen Lektüre machen. Damit wir und unsere Kinder sich auch in der Zukunft über einen blauen Himmel und viel, viel Sonnenschein freuen können.

Mehr Rezensionen unter: krisenzeit + sonnenschein